Berufsunfähigkeitsversicherung – Keine Unterstützung vom Staat (Quelle: Stiftung Warentest)

Über die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit machen sich junge Menschen selten großen Gedanken.
Dabei ist sie ist gerade für sie besonders wichtig:


Werden sie während der Ausbildung berufsunfähig, haben sie nicht einmal Anspruch auf die magere Erwerbsminderungsrente vom Staat.

Versicherungen wie eine Unfallversicherung sind kein Ersatz. Sie zahlt nur, wenn jemand aufgrund eines Unfalls invalide wird und leistet regelmäßig eine Einmalzahlung statt einer lebenslangen Rente.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt dagegen auch dann eine Rente, wenn der Versicherte erkrankt und deshalb nicht mehr im zuletzt ausgeübten Beruf arbeiten kann.

Bei Policen für Azubis und Studenten sind zudem die Prämien niedriger und das Wichtigste überhaup: In jungen Jahren ist der Mensch meistens gesünder und hat die Chance, eine gute Absicherung zu bekommen.

Zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung auch?

Leicht ist es nicht, eine BU-Versicherung zum Zahlen zu bewegen. Meistens gelingt es am Ende aber doch. So nennt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft eine branchenweite Anerkennungsquote von 80 Prozent. Zu einer ähnlichen Zahl kommt das unabhängige Analysehaus Franke und Borneberg. Bei keiner der betrachteten Versicherungen wurden Anhaltspunkte für Leistungsverweigerung mit System gefunden, ist das Fazit einer Studie. Auch bei BU-Renten von über 300 Euro monatlich liege die Anerkennungsquote noch bei über 76 Prozent. Zu 50 Prozent muss die Arbeitsunfähigkeit bestehen –und zwar in dem zuletzt ausgeübten Beruf. Man muss also nicht komplett arbeitsunfähig sein, was ein wesentlicher Unterschied zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist. Abgelehnt werden Ansprüche häufig, weil die Grenze von 50 Prozent nicht erreicht wird oder weil Vorerkrankungen verschwiegen wurden. Verbraucherschutzorganisationen raten deshalb, schon bei Abschluss einer BUPolice spezialisierte Beratung in Anspruch zu nehmen. Die BUsei eine der wichtigsten, aber auch kompliziertesten Versicherungen.

Bei uns als Makler müssen Versicherte nichts extra bezahlen, auch wenn der Prozess Jahre dauert. Wie wichtig Begleitung ist, zeigt auch eine Studie des Analysehauses Morgen & Morgen. Hauptgrund für eine nicht ausgezahlte Berufsunfähigkeitsrente ist demnach mit gut 37 Prozent der Umstand, dass Kundinnen und Kunden irgendwann nicht mehr auf Fragen des Versicherers antworten, was nach langer Krankheit, die regelmäßig vorausgeht gut nachvollziehbar ist.

Verbraucherzentrale Bayern schreibt: Berufsunfähigkeit – verkannte Gefahr

Wird das Existenzrisiko „Verlust der Arbeitskraft“ nicht gezielt abgesichert, bleibt im Ernstfall oft nur die
Sozialhilfe. Über das Ausmaß der Versorgungslücken sind sich die meisten jedoch nicht bewusst.

Berufsunfähigkeit gezielt absichern
Was kostet eine gute Versicherung? Absicherung für den Ernstfall
Obwohl statistisch jeder vierte Arbeitnehmer lange vor der normalen Altersrente erwerbsgemindert wird, verfügen nur erschreckend wenige über eine Absicherung für den Ernstfall. Denn die meisten sind sich über Risiken und Ausmaß der Versorgungslücken nicht bewusst: Dass die Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung allenfalls ein Notnagel sind und nach dem 1. Januar 1961 Geborene im Falle ihrer Berufsunfähigkeit aus der Rentenkasse sogar überhaupt keinen Cent, sondern allenfalls eine Rente wegen Erwerbsminderung erhalten, wissen nur die wenigsten Berufstätigen. Und auch wer eine Police sein eigen nennt, wiegt sich oft in trügerischer Sorglosigkeit: mit im Schnitt rund 400 Euro versicherter Monatsrente ist die finanzielle Absicherung nur Stückwerk.

Auch dann bleibt im Ernstfall oft nur die Sozialhilfe.
Der Weg zu einem guten Versicherungsschutz gleicht vielfach einem Hindernisrennen. Rund 100 Anbieter am Markt, die wiederum oft gleich mehrere Tarife mit unterschiedlichen Bedingungen und Leistungen anbieten und nicht zuletzt die Spannbreite der Tarife sorgen dafür, dass die gezielte Absicherung zum Lotteriespiel gerät. Und häufig bekommen Abschlusswillige nicht den von ihm gewünschte Vertrag.


Je riskanter der Beruf, desto teurer gestaltet sich auch der Versicherungsschutz. Grundsätzlich müssen körperlich Tätige mit höheren Prämien rechnen als „Kopfarbeiter“: für Dachdecker oder Fluglotsen zum Beispiel verlangen die Versicherer saftige Risikozuschläge. Zur Bewertung der Risiken teilen die Gesellschaften die Berufe meist in vier Gruppen ein. Weil diese Einteilungen bei den einzelnen Assekuranzen erheblich abweichen, heißt es, nach einer Versicherung Ausschau zu halten, die den „eigenen“ Beruf günstiger einstuft. Um vergleichen zu können, sollten immer mehrere Angebote gleichzeitig eingeholt werden.


Garant für eine ausreichende Absicherung bei Berufsunfähigkeit ist zudem die optimale Gestaltung des Versicherungsvertrags. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, für den Ernstfall möglichst das jetzige Nettoeinkommen zu versichern. Schließlich laufen vor allem für Jüngere die erheblichen Kosten für Familie oder Hausfinanzierung weiter…..

Der Bund der Versicherten schreibt:

Warum private Absicherung gegen Berufsunfähigkeit?
Die private Absicherung gegen Berufsunfähigkeit ist wichtig, weil die Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung unzureichend sind und es zudem schwer ist, diese überhaupt zu erlangen.

Außerdem müssen sie in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge eingezahlt haben. Wer also zum Beispiel wegen einer selbstständigen Tätigkeit oder einer Familienauszeit mehr als zwei Jahre keine Beiträge in die Rentenkasse einzahlt, verliert seinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.


Als volle Erwerbsminderungsrente erhalten Sie aus der gesetzlichen Rentenversicherung rund 32 Prozent Ihres zuletzt erzielten Bruttoeinkommens. Sie wird nur bezahlt, wenn Sie keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen können. Können Sie drei bis sechs Stunden am Tag eine beliebige Arbeit ausüben, steht Ihnen die halbe Erwerbsminderungsrente zu. Sind Sie in der Lage, mehr als sechs Stunden zu arbeiten, bekommen Sie keine Rente. Nur vor dem 1. Januar 1961 Geborene erhalten eine, wenn auch geringe Berufsunfähigkeitsrente. Die durchschnittliche Rente bei voller Erwerbsminderung lag 2012 in Westdeutschland bei 723 Euro, in Ostdeutschland bei 698 Euro, im
Monat. Teilweise Erwerbsgeminderte bekamen im Westen durchschnittlich 492 Euro im Monat, im Osten 423 Euro im Monat. Die Zahlbeträge der Erwerbsminderungsrenten sinken seit 2001 kontinuierlich. Außerdem sind Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie grundsätzlich Steuern auf die Erwerbsunfähigkeitsrente zu entrichten. 42 Prozent aller Frührentner 2012 mussten ihre Arbeit aus psychischen Gründen aufgeben. Aus diesem Grunde können Alternativprodukte zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung nur eine Lösung sein, wenn eine Berufsunfähigkeitsversicherung aus gesundheitlichen Gründen nicht abgeschlossen werden kann. Die Dread-Disease-Versicherung und die Grundfähigkeitsversicherung bieten für psychische Erkrankungen aber keinen Versicherungsschutz.

  1. Was die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) bietet
    Die BU zählt zu den wichtigsten Versicherungen. Deshalb sollten Sie so früh wie möglich und bei guter Gesundheit eine Police abschließen. Das ist bereits ab dem 15. Lebensjahr denkbar. Allerdings werden sie besonders eingruppiert, wodurch relativ hohe Prämien für die Absicherung zu zahlen sind. Deshalb kann der Beginn einer Ausbildung oder eines Studiums der naheliegendste Zeitpunkt für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sein. Anders jedoch, wenn eine mit körperlichen Tätigkeiten verbundene Ausbildung künftig ergriffen werden soll, dann ist die Absicherung bereits als Schüler günstiger. Je später Sie sich für eine Berufsunfähigkeitsversicherung entscheiden, desto eher können Erkrankungen vielleicht die Annahme des Antrages erschweren oder sogar verhindern. Bei voller Gesundheit ist ein Vertragsabschluss mit 40 Jahren ungefähr 40 Prozent teurer als mit 30 Jahren. Die BU tritt ein, wenn Sie durch Krankheit oder Unfall längerfristig Ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Sie erhalten dann eine monatliche Rente die Ihren Lebensstandard aufrechterhalten soll.

BdV-Tipp: Die BU können Sie entweder separat oder als Zusatz einer Risikolebensversicherung abschließen. Diese Kombination ist häufig günstiger als Einzelverträge. Sie kann deshalb auch dann interessant sein, wenn kein Todesfallschutz benötigt wird. Wählen Sie einfach die Versicherungssumme für den Todesfall so gering wie möglich.
Die Vertragslaufzeit sollte möglichst bis zum Ende des Erwerbslebens reichen, für viele ist das heute das 67. Lebensjahr. Bitte beachten Sie, dass mit steigendem Alter das Risiko berufsunfähig zu werden überproportional ansteigt. Eine kürzere Laufzeit sollten Sie nur ausnahmsweise wählen, wenn Sie konkreten Anlass haben anzunehmen, bereits vorher wirtschaftlich abgesichert zu sein; gegenüber einer Absicherung bis zum Endalter 65 Jahre beträgt die Prämie etwa 20 Prozent mehr und gegenüber einer Absicherung bis Endalter 60 sogar etwa 100 Prozent. Die Höhe Ihrer BU-Rente sollte sich zusammensetzen aus Ihren monatlichen Ausgaben (Lebensunterhalt, Versicherungen, Geldanlage usw.), abzüglich aller Einkünfte, die nicht aus Ihrem Arbeitseinkommen stammen. Die versicherte BU-Rente sollte spürbar über den staatlichen Sozialleistungen liegen. Wir schlagen vor, mindestens 1.000 Euro Monatsrente abzusichern. Um die Verteuerung durch Inflation auszugleichen, vereinbaren Sie eine Dynamik. Dadurch erhöht sich jährlich die Versicherungssumme, allerdings auch der Beitrag. Die meisten Versicherer begrenzen die versicherbare Berufsunfähigkeitsrente der Höhe nach auf einen Bruchteil des Brutto- oder Nettoeinkommens, volle Absicherung ist im Normalfall nicht möglich. Ihren Mindestbedarf können Sie grob wie folgt ermitteln: Feste monatliche Ausgaben
abzüglich sonstiger monatlicher Einkommen (z.B. Mieteinnahmen, Zinseinkünfte) abzüglich ggf. Einkommen Partner. Nicht einbezogen werden sollten ungewisse Einkünfte wie Erwerbsminderungsrenten.


Hinweis: Wenn Sie neben einer Berufsunfähigkeitsversicherung auch eine Krankentagegeldversicherung abgeschlossen haben, verlieren Sie bei Erhalt der Berufsunfähigkeitsrente zumeist den Anspruch auf Krankentagegeld.


Besteuerung: Der sogenannte Ertragsanteil der privaten Berufsunfähigkeitsrente muss versteuert werden. Die Höhe des steuerpflichtigen Anteils hängt vom Alter des Rentenberechtigten bei Beginn der Rente und der Art der Rente ab. Je früher jemand berufsunfähig wird, desto höher ist der Anteil, der zu versteuern ist. Entscheidend ist zum Zeitpunkt des Rentenbeginns, wie viele Jahre Leistungsdauer noch verbleiben.

Die SÜDDEUTSCHE schreibt:

  1. Juli 2011 16:28 Berufsunfähigkeitsversicherung
    Sieben Irrtümer und ein Bandscheibenvorfall
    Von Alina Fichter
    Gerade war noch alles gut, dann kommt die schwere Krankheit – und plötzlich war’s das mit dem Arbeiten. Da hilft die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie gilt als unverzichtbar, doch nur jeder Fünfte hat einen Vertrag. Warum eigentlich?

    Kaum ein Deutscher kann sie leiden. Warum das so ist, verstand bisher niemand, selbst Versicherer und Verbraucherschützer sind sich einig: Jeder braucht sie, die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Trotzdem hat hierzulande nur jeder Fünfte einen Vertrag. Eine Studie des Meinungsforschungs-Instituts TNS Infratest und der Continentale deckt die Gründe dafür auf.
  1. Ich bin doch geschützt
    Die häufigste Fehleinschätzung ist die fatalste: Beinahe drei Viertel der Deutschen wiegen sich in Sicherheit, obwohl sie es nicht sind. Sie vertrauen auf ihre Unfalloder Lebensversicherung. „Aber nur die Berufsunfähigkeitspolice bietet einen
    angemessenen Schutz für Menschen, die nicht mehr arbeiten können“, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV). Nur wer sie hat, bekommt von seiner Versicherung, wenn nötig, über Jahrzehnte hinweg eine monatliche Rente ausbezahlt.
  1. So schlimm kann es nicht sein
    Jeder kennt ihn, diesen Frührentner, der morgens gemütlich in der Sonne frühstückt, während man selbst zur Bahn eilt. Ob er der Grund ist, dass 38 Prozent der Deutschen glauben, ihr Leben verlöre nicht an Qualität, wenn sie nicht mehr
    arbeiten könnten? Für Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg ein Irrtum: „Wer seinen Job nicht mehr ausüben kann, ist schnell in seiner Existenz bedroht“, sagt sie. Das Familieneinkommen ist weg, die Kredite für Haus und Auto laufen weiter. Wer soll das bezahlen? „Der alte Lebensstandard kann nicht annähend aufrecht erhalten werden“, so Castelló. Außer, die BU sorgt für eine angemessene Rente.
  2. Die Police ist viel zu teuer
    Über die Hälfte der Befragten nannte als Grund, der gegen eine BU spricht: zu teuer; das Geld wolle man lieber für anderes ausgeben. Nun ist zwar richtig, dass die BU nicht zu den günstigsten Policen zählt. Aber es gibt eine Zahl, die den Preis ihrer Prämien in das richtige Verhältnis setzt: Wird ein Mann Mitte 20 berufsunfähig, etwa durch einen Unfall, muss er bis zur Rente Einnahmeausfälle von über einer Million Euro verkraften; je nachdem, welchen Job er hatte, kann es sogar deutlich mehr sein. Er steht dann nicht nur vor der Frage: Wie werde ich wieder gesund? Sondern auch vor dem Problem: Wovon soll ich jetzt leben?
  3. Mich erwischt es nicht
    Niemand denkt gerne daran, schwer krank zu sein. Manche geben sich gar der Illusion hin, Unglück geschehe nur den anderen, ihnen selbst könne nichts passieren. Die Hälfte der Deutschen denken so – eine Fehleinschätzung. Jeden fünften erwischt es doch. Er scheidet frühzeitig aus dem Berufsleben aus, weil der Körper oder die Seele den Alltag nicht mehr mit machen. Nur selten ist ein Unfall schuld, meist sind Krankheiten die Ursache für Berufsunfähigkeit; immer häufiger sind es psychische.
  4. Die Versicherung zahlt nicht
    Beinahe drei Viertel sind überzeugt, dass es so läuft: Erst zahlt man Beiträge, und wird man dann berufsunfähig, springt die Versicherung nicht ein. 41 Prozent denken, bei einem selbst verschuldeten Unfall zahle sie nicht. Das ist falsch. Es gibt grundsätzlich nur äußerst wenige Ausnahmen, in denen die Unternehmen keine Rente zahlen: wenn sich der Versicherte etwas vorsätzlich verletzt. Wichtig ist allerdings, die Gesundheitsfragen vor Abschluss wahrheitsgemäß zu beantworten. Andernfalls kann es später wirklich zu Problemen kommen.
  5. Der Staat sorgt für mich
    Früher war nicht alles besser, aber manches: Bis 2001 war die BU noch Teil des gesetzlichen Schutzes. Doch die Zeiten sind vorbei. Zwar gibt es noch eine sogenannte staatliche Erwerbsminderungsrente. „Aber ist die so gering und der Zugang so schwer, dass niemand mit ihr rechnen sollte“, sagt Experte Rudnik. Verbraucher müssen sich also selbst kümmern und eine private Versicherung abschließen. Trotzdem vertrauen noch 22 Prozent auf die Regierung.
  6. Ich bin zu alt – und ich zu jung
    Es gibt noch jene 41 Prozent, die sich gerne versichern würden, es aber sein lassen, weil sie sich für zu jung oder zu alt halten. Tatsächlich gilt: Je älter jemand ist, desto mehr Vorerkrankungen hat er meist hinter sich. Und je mehr Malaisen festgestellt wurden, desto schwieriger ist es, eine Police zu bekommen. Wer einen Bandscheibenvorfall erlitt, bekommt wohl keine BU mehr oder nur gegen Risikoaufschlag. „Wer jung ist, kommt leichter und günstiger an eine Police“, sagt Rudnik. „Zu jung“, so der Experte, „ist eigentlich niemand.“